bookmark_borderWir lassen uns nicht spalten – Innenminister: Feinde der Fankultur!

Etwas mehr als einen Monat ist es noch hin, bis die nächste Innenministerkonferenz in Hamburg tagt – und wir müssen noch immer davon berichten, dass die nach der letzten IMK versprochene Transparenz Fehlanzeige bleibt.
Was genau auf der Agenda stehen wird, ist entsprechend nicht klar – die Erfahrungen der letzten IMK, die Drohungen der Politik gegenüber Vereinen und Verbänden, unterwürfige Verbände sowie die besorgniserregende Zunahme von Polizeigewalt und rechtswidrigen Maßnahmen gegen Fußballfans lassen uns allerdings wenig hoffnungsfroh sein. Während manche Innenminister und die Polizei daran zu arbeiten scheinen, Fanszenen zu spalten und eine Unterscheidung von „guten“ und „schlechten“ Fans zu konstruieren, möchten wir also diese heiße Phase der Saison nutzen, um erneut deutlich zu machen: Wir lassen uns nicht spalten! 

Seit dem letzten Jahr drücken gewisse Politiker den Vereinen und Verbänden die Pistole auf die Brust und drohen mit harten Mitteln, sollten sie ihren Forderungen nicht nachkommen. Dabei ist unter anderem die Rede von Lizenzentzügen, von Übertragung der Polizeikosten auf die Vereine sowie von personalisierten Tickets. Maßnahmen also, die die Vereine in die Knie zwingen und finanziell bedrohen können. Stellt euch vor, eurem Lieblingsverein wird die Lizenz für den Spielort des Stadions entzogen – oder zumindest für den Gästeblock! Wie sehr das Fehlen von Gästefans das Stadionerlebnis beeinträchtigen kann, ist bereits in vielen Ländern zu beobachten. Zustände, die wir uns nicht herbeiwünschen – gerade, wenn wir selbst als Auswärtsfahrer betroffen wären. 


An dieser Stelle müssen auch die Verbände explizit angesprochen werden: DFB und DFL sonnen sich in schönen Bildern und vollen Stadien, die die Fanszenen ihnen Jahr für Jahr von Bundesliga bis in die unteren Ligen servieren. Dass für die Fans, für das besondere Stadionerlebnis in Deutschland und gegen willkürliche Maßnahmen ihre starken Stimmen erhoben werden, ist von den Verbänden erwartungsgemäß nicht zu vernehmen. Stattdessen wird eifrig den populistischen Forderungen gefolgt und an einer völlig undurchsichtigen zentralen SV-Kommission gearbeitet.
Die DFL sowie der DFB scheinen sich von diesen Drohgebärden einschüchtern zu lassen und vor dem Populismus der Politik einzuknicken. Sie scheinen bereit, unnötig repressive Maßnahmen wie die Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien durchzuwinken, um „schlimmere Übel“ abzuwenden. Die Verschärfungen eben dieser Richtlinien gehen also auch klar auf das Konto der Verbände, die weder ihren Vereinen Rückhalt bieten noch den wirtschaftlichen Faktor von aktiver sowie lebendiger Fankultur berücksichtigen wollen. Und das alles wegen einer hochstilisierten Gefahrenlage in deutschen Fußballstadien.


Es erschließt sich uns zudem auch sechs Monate nach der letzten IMK nicht, weshalb diejenigen Politiker, die sich mit der inneren Sicherheit Deutschlands beschäftigen sollen, überhaupt über den Fußball sprechen. Die herbeifantasierten Schreckgespenster gefährlicher Stadien wurden doch bereits im Vorfeld der letzten IMK entzaubert! Weshalb also wollen gewisse Innenminister das bunte und lebendige Stadionerlebnis durch repressive, rechtlich fragwürdige Maßnahmen aufs Spiel setzen?
Weshalb wollen sie das Risiko in Kauf nehmen, Vereine finanziell zu ruinieren und Fankultur zu beerdigen? 


Die realitätsfremden Wahrnehmungen von Politikern, die selten bis nie einen Fuß in unsere Stadien gesetzt haben, können nicht unwidersprochen bleiben. Wir Fans wissen, wie die Realität aussieht: der Fußball ist nach wie vor sicher und gleichzeitig braucht das Stadionerlebnis die lebendige Fankultur! 


Die Zahlen der tatsächlich gefährlichen Vorfälle in Stadien sind so verschwindend gering, dass sie dieses Maßnahmenpaket niemals rechtfertigen können.



Lasst uns ihnen gemeinsam zeigen, was wir davon halten – wir lassen uns nicht spalten!

Fanszenen Deutschlands – Mai 2026

bookmark_border3 Monate nach der IMK ist 3 Monate vor der IMK – ein Halbzeitfazit

In der Länderspielpause kamen am 28. März 2026, Vertreter von über 50 Fanszenen aus dem gesamten Bundesgebiet in Berlin zusammen, um sich unter anderem über den Eskalationskurs der Innenministerkonferenz und der Sportministerkonferenz zu beraten. Auch Fanszenen, die aufgrund des Spielbetriebs unterhalb der dritten Liga nicht dabei waren, stehen inhaltlich hinter dieser Stellungnahme.

Die letzte IMK im Dezember 2025 hat durch ihren Populismus und ihre Repressionsideen für deutsche Stadien für Aufruhr gesorgt – ihr erinnert euch! Die nächste IMK ist bereits für Juni 2026 angesetzt. Eine gute Gelegenheit also, auf den aktuellen Stand zu blicken, denn: Die aktuelle Entwicklung in deutschen Stadien ist alarmierend! Immer öfter werden Stadionbesucher zu Opfern unverhältnismäßiger Polizeigewalt.

Dies zeigt sich eindeutig seit einigen Jahren und ganz speziell eindrücklich seit Beginn des Jahres 2026. Bei den Spielen Borussia Dortmund gegen FC Bayern München, Hertha BSC gegen FC Schalke 04 und Vfl Wolfsburg gegen Werder Bremen kam es zu zahlreichen zum Teil schwer verletzten Fans. Deutlich wird dies aber auch durch diverse Fanszenen, die mit fadenscheinigen Begründungen auf der Anreise zu ihren Auswärtsspielen zurückgeschickt und hiermit massiv in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden. Aktuell vergeht kaum ein Wochenende ohne einen solchen Skandal. Den Tiefpunkt dieser Entwicklung stellt die hundertfach verhinderte Ausreise von Anhängern von Borussia Dortmund zum Champions League-Spiel bei Atalanta Bergamo durch die Bundespolizei dar. Die zugunsten der Fans entschiedenen Eilverfahren zeigen wiederholt sehr deutlich, dass die Polizei sich im Umgang mit Fußballfans nicht an Recht und Gesetz gebunden sieht!

Böse Zungen behaupten, dass diese jüngste Gewalteskalation seitens der Polizei kein Zufall sein kann. Auch wir sehen sie als systematischen Teil einer arglistigen Strategie der Hardliner aus Innen- und Polizeibehörden mit Blick auf die kommende IMK sowie im Zuge der derzeit stattfindenden Geheimverhandlungen zur Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien. Das Kalkül dahinter scheint so perfide wie offensichtlich: Möglichst schockierende Bilder und Schlagzeilen sollen das politik- und polizeieigene Narrativ, die Stadien seien nicht sicher, Woche für Woche unterfüttern. In dem Wissen, dass die seit Jahren rückläufigen polizeieigenen Zahlen keinerlei Verschärfung rechtfertigen (woran die IMK im letzten Jahr immer wieder erinnert werden musste), werden die eigenen ohnehin fragwürdigen Statistiken der ZIS nun künstlich in die Höhe getrieben.

Das Ziel der Protagonisten in den Innenbehörden scheint klar: Die Verbände DFB und DFL sollen in den Verhandlungen unter maximalen Druck gesetzt werden, zuletzt geschehen mit der erstmals öffentlich geäußerten Drohung der Weitergabe der Polizeikosten durch Herbert Reul und Armin Schuster, wenn die Forderungen der Politik nicht erfüllt werden. Dass aufgrund dieser rücksichtslosen Strategie eine Vielzahl von Fußballfans fernab jeder Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit mutwillig und zum Teil schwer verletzt wird, nehmen Polizei und Politik billigend in Kauf. Der Dachverband der Fanhilfen hat in seiner Stellungnahme vom 18. März 2026 die deutliche Zunahme gewalttätiger Polizeieinsätze in der laufenden Saison 2025/2026 dokumentiert. Die Anzahl gewalttätiger Eskalationen durch die Polizei überstieg schon im März die Gesamtzahl vorangegangener Spielzeiten.

Doch auch abseits dieser beobachtbaren polizeilichen Eskalation muss davon ausgegangen werden, dass die Politik den Verbänden druckvoll im Nacken sitzt. Das wird sichtbar, da DFL, DFB und Innenpolitik trotz vollmundiger Transparenzversprechen in der Öffentlichkeit nunmehr seit weiteren vier Monaten in Hinterzimmergesprächen an Verschärfungen der Stadionverbots-Richtlinien schrauben und dabei jegliche Faninteressen und Expertenmeinungen unberücksichtigt lassen.

Im Halbzeitfazit müssen wir daher leider feststellen, dass Politik, Polizei und scheinbar auch die Verbände aus dem letzten Jahr nichts gelernt haben und denken, sie können die gleiche Suppe nochmal kochen – und das noch schärfer gewürzt! Scheinbar müssen wir also wieder laut werden, um für Gerechtigkeit einzutreten, ihren Populismus zu entlarven und ihre perfiden Strategien zu kritisieren!
Daher fordern wir:

1) Verschärfung der Stadionverbots-Richtlinien stoppen!
Unter dem Deckmantel einer einheitlichen Vergabe von Stadionverboten soll eine „Fachaufsicht“ bzw. „Zentrale Stadionverbotskommission“ eingeführt werden, welche den lokalen Strukturen gegenüber weisungsbefugt ist. Diese Fachaufsicht soll auch als Beschwerdestelle für die Polizei fungieren, sollte diese mit den Entscheidungen auf lokaler Ebene unzufrieden sein.
Damit gibt man den Polizeibehörden ein weiteres mächtiges Repressionswerkzeug an die Hand – jenen Polizeibehörden, die nicht davor zurückschrecken, Fußballfans schwer zu verletzen, nur um die eigene Agenda durchzudrücken. Wir sagen: Der Repressionswahnsinn gepaart mit der starken Zunahme willkürlicher und gewalttätiger Polizeieinsätze in deutschen Stadien zeigt, dass die Stadionverbots-Richtlinien nicht verschärft werden dürfen, denn die bewusste Eskalationsstrategie der Innenministerkonferenz darf nicht belohnt werden!

2) Verbände: Transparenz und Faninteressen jetzt!
DFB und DFL dürfen ihre Entscheidungen nicht länger im Geheimen treffen. Wir fordern endlich eine offene und transparente Diskussion unter Wahrung der bestehenden Faninteressen. Ein Stopp der derzeitigen Geheimverhandlungen und eine Neuaufnahme eines Dialogs, welcher seinen Namen auch wirklich verdient, führt nicht nur zu mehr Akzeptanz, sondern bietet den Funktionären von DFB und DFL auch eine Chance, sich diesem massiven Druck seitens der Innenministerien zu widersetzen. Wir erwarten, dass DFB und DFL von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

3) Unabhängige Ermittlungsstellen!
Vereine und Verbände müssen den Aufbau unabhängiger Ermittlungsstellen nach dänischem Vorbild für die Aufklärung von übermäßiger Polizeigewalt öffentlich unterstützen – zum Schutz hunderttausender Fans, die Woche für Woche deutsche Fußballstadien besuchen. Die bundesweite Eskalationsstrategie der Polizei hat beispielsweise im Olympiastadion und im Westfalenstadion bewiesen: Polizeigewalt kann jeden Stadiongänger treffen.

4) Innenpolitik: Sachargumente statt Populismus!
Abgesehen von eskalierenden Polizeieinheiten ist der Fußball sicher. Es ist Zeit, sich endlich damit abzufinden! Es gibt keine Datengrundlage für den Kurs der Innenministerien, weshalb die Polizei nun bundesweit angehalten scheint, die Verletztenzahlen der ZIS-Statistik – aus Sicht der Innenminister „endlich“ – wieder nach oben zu treiben. Jeglicher Realität entbehrende Zerrbilder, etwa dass jedes Wochenende Spiele wegen Pyrotechnik unterbrochen und Menschen hierdurch verletzt würden, haben einer Versachlichung der Debatte zu weichen. Wir sind es leid, für populistische Forderungen herzuhalten, das Testobjekt für neue Repressionsmaßnahmen zu sein und uns unsere Fankultur und ihre Stilmittel von Innenministern und Polizeigewerkschaftern „erklären“ zu lassen.

Fanszenen Deutschlands – April 2026

bookmark_borderTransparenzoffensive zur Überarbeitung der SV-Richtlinien

Vor rund zwei Wochen meldeten wir, die Fanszenen Deutschlands, uns bereits mit einer Stellungnahme bezüglich der in Hinterzimmern des DFB erarbeiteten neuen Stadionverbots-Richtlinie. Seitdem herrscht vor allem eins: Stille.

Zwar hat die DFL erstaunlich schnell – bereits am Freitag der Veröffentlichung unserer Stellungnahme – mit einem internen Schreiben an die Vereine reagiert. Die große Chance, nun endlich mit offenen Karten zu spielen, wurde jedoch abermals vertan.

Nun ist es für uns nichts Neues, dass wir Fans in Entscheidungen oder Prozesse der DFL nicht eingebunden werden. Dass allerdings selbst Vereine – teilweise gänzlich – außen vor gelassen werden, ist durchaus verwunderlich.

Das besagte Schreiben der DFL verbreitet dabei auch ganz bewusst Lügen. So ist beispielsweise die Rede davon, die Vereine „umfassend über mögliche Änderungen“ informiert zu haben. Tatsächlich sind allerdings kritische Vereinsvertreter mit irreführenden Falschaussagen aufs Glatteis geführt und kaltgestellt worden. Auch eine erwähnte Videokonferenz fand lediglich im Monologform statt, ohne die Chance auf Rückfragen.

Im Gegensatz zur DFL haben wir die vergangenen Tage genutzt und sind mit unseren Vereinen ins Gespräch gegangen. Die Erkenntnis daraus: Bis heute wissen die Vereine über die geplanten Veränderungen in der SV-Richtlinie nicht oder bestenfalls nur rudimentär Bescheid! Da passt es ins Bild, dass auch im Rahmen der Regionalkonferenzen in der Woche vom 16. bis 20. Februar 2026 in Frankfurt Informationen zur Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien Fehlanzeige blieben.

Nun ist es natürlich schwierig, über Sachen zu urteilen, deren Inhalt man nicht kennt. Die DFL spricht gerne von „Transparenz“ – doch versagt dann gleich im ersten Schritt, diese zu schaffen.

Als transparenzliebende Fans sehen wir uns somit in der Pflicht, nun unsererseits mit einer Transparenzoffensive Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wir wissen ganz genau Bescheid, welche Maßnahmen geplant sind.

Daher möchten wir im Folgenden Paragraphen aus dem Entwurfspapier der DFL zitieren:
2 (3) beschreibt die Errichtung einer Stelle, welche dazu ermächtigt und verpflichtet wird, entsprechende Entscheidungen im Zusammenhang mit Stadionverboten zu treffen und Maßnahmen zu ergreifen. Tätig werden soll diese sogenannte „Fachaufsicht“ selbstständig, auf Antrag einer lokalen SV-Kommission oder auf Antrag der Polizei oder anderer Strafverfolgungsbehörden.
Die zentrale Fachaufsicht ist gemäß des Abschnitts b) weisungsbefugt gegenüber den lokalen Stadionverbots-Kommissionen. Bei Nicht-Einhaltung einer Weisung kann die Fachaufsicht die entsprechenden Maßnahmen treffen.

Es lässt sich also festhalten: Sollte dieser Paragraph so umgesetzt werden, werden die lokalen Stadionverbots-Kommissionen de facto zum Papiertiger. Spätestens wenn der Polizei die Möglichkeit gegeben wird, per Antrag die Fachaufsicht einzuschalten, verlieren die lokalen Kommissionen ihre Bedeutung!
5 (vormals §4) (3) legt fest, dass ein Stadionverbot auszusprechen ist, wenn die Stadionverbotskommission (lokal oder zentral) Kenntnis von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Strafverfolgungsbehörden erlangt. Zwar ist die Rede von der „Berücksichtigung der konkreten Umstände des Einzelfalls“, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass hiermit die Vergabe von Stadionverboten nach dem Gießkannen-Prinzip ermöglicht wird. Denn bei Nicht-Erteilung eines Stadionverbots, etwa weil die lokale Stadionverbots-Kommission den Fortgang des Ermittlungsverfahrens oder den Ausgang des etwaigen, folgenden Gerichtsverfahrens abwarten möchte, kann die Polizei die Fachaufsicht anrufen und diese zieht dann die Aussprache der Stadionverbote an sich. Dass Ermittlungsverfahren eingestellt werden oder in Freisprüchen enden können, interessiert Verbände, Politik und Polizei bei der „Präventivmaßnahme“ Stadionverbot nicht.

5 (vormals §4) (4) besagt zudem, dass Stadionverbote sogar ausgesprochen werden können, ohne dass ein Ermittlungs- oder sonstiges Verfahren eingeleitet wurde. Hierfür sollen künftig Ingewahrsamnahmen oder Aufenthaltsverbote ausreichen. Im Kontext der vergangenen Wochen, in denen vermehrt Fanszenen aus fadenscheinigen Gründen an ihrer Auswärtsreise gehindert wurden, würde dieser Paragraph das Tor für den Ausschluss großer Fangruppen öffnen. Und eins ist sicher: Sobald der Polizei dieser Hebel in die Hand gelegt wird, wird sie ihn auch nutzen!
Dies sind nur kurze Auszüge aus dem insgesamt 9 Seiten langen Dokument. Wir möchten diese aber mit unserer Stellungnahme öffentlich machen, um aufzuzeigen, was sich hinter verschlossenen Türen zusammenbraut. In Kraft treten sollen diese Maßnahmen bereits zum 1. Juli 2026, was einen ambitionierten Zeitplan bei zugleich herrschender Intransparenz bedeutet.

Da wir den Glauben an eine diskussionsorientierte Lösung bei DFL, DFB und Politik schon längst verloren haben, nehmen wir daher unsere Vereine in die Pflicht, sich diesen geplanten Maßnahmen entschieden und mit allen Mitteln entgegenzustellen!

Die Fanszenen Deutschlands im März 2026

bookmark_borderStellungnahme Vorkommnisse in Dortmund

Beim gestrigen Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund kam es zu schweren gewalttätigen Übergriffen der eingesetzten Polizeieinheit gegen Fans des FC Bayern.

Mit Befremden hatten wir bereits in den letzten Wochen verfolgen müssen, wie die Dortmunder Polizei mehrfach versuchte, durch gezielte Provokationen und nicht nachvollziehbare Festnahmen eine Eskalation mit der heimischen Fanszene zu provozieren. Wir verweisen hierzu auf die Dokumentation der Fanhilfe Dortmund.

Gestern mussten die Fans des FC Bayern München die neue Dortmunder Linie am eigenen Leib erfahren.

Nachdem es bei der Eintrittskartenkontrolle zu Drängeleien und einem einzelnen Handgemenge mit einem Ordner gekommen war, ging die Polizei unmittelbar und willkürlich gegen umstehende Fans vor. Nachdem sich diese Situation beruhigt hatte, eskalierte die Polizei die Situation mehrfach erneut. Unter dem Vorwand, weitere Personalien feststellen zu wollen, ging die Polizei im Anschluss zum wiederholten Male unnötigerweise auf breiter Front gegen im Umlauf wartende, unbeteiligte Fans vor und setzte dabei willkürlich Schlagstöcke und Reizgas ein. Dabei verletzten sie dutzende Fans, wobei neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden mussten.

Der Polizei wären hierzu wesentlich ungefährlichere Maßnahmen wie Videoüberwachung, die zahlreich eingesetzten szenekundigen Beamten oder auch weniger konfrontative Ansprache zur Verfügung gestanden.
Verletzungen wurden hier also ohne Not bewusst in Kauf genommen.

Nachdem sich die Situation während des Spiels komplett beruhigt hatte, folgte kurz vor Abpfiff eine komplette Gewalteskalation der Polizei, die zu weiteren Verletzten und notwendigen Aufenthalten im Krankenhaus führte.

Besonders verstörend: Der Großteil der eingesetzten Beamten ließ auch deutlich optisch wie verbal ihren Gefallen an dem Angriff auf die Fans erkennen.

In Quantität wie Intensität übertraf das Maß an Polizeigewalt in Dortmund vergleichbare Übergriffe, die wir in Madrid oder Athen erleben mussten. Der gestrige Tag reiht sich damit nahtlos in eine Reihe unverhältnismäßiger polizeilicher Übergriffe gegen Fanszenen im gesamten Bundesgebiet ein.

Südkurve München

bookmark_borderGEGEN KOLLEKTIVSTRAFEN – FÜR EINE LEBENDIGE FANKULTUR

„Wir sind immer hier, die Kurve das sind wir…“ erschallt es kurz vor Anpfiff des heutigen Spiels aus dem Oberrang, in dem auch das dazu passende Spruchband hängt.

Für uns ist dieser Gesang nicht nur eine Floskel, denn wo auch immer der FC Bayern München spielt, sind wir Fans aus der Südkurve anwesend. Selbst bei einer Kollektivstrafe, wie dem Teilausschluss am heutigen Heimspiel, sind wir lautstark und zahlreich im Stadion vertreten.
Wir haben bewiesen, dass Kollektivstrafen ins Leere laufen und die Strafenpolitik des Verbands und unseres Vereins jederzeit ad absurdum geführt werden kann.

Die UEFA hat fast 4.800 Plätze im Unterrang der Südkurve für das heutige Heimspiel geschlossen. Der FC Bayern München hat diese bereits unverhältnismäßige Strafe aus freien Stücken verdoppelt, wodurch alle 9.336 Plätze im Unterrang gesperrt wurden. Ein solches Vorgehen ist ein beispielloser Präzedenzfall, der nicht unwidersprochen bleiben darf.

Kollektivstrafen sind nicht mit dem Rechtsgedanken einer freiheitlichen Gesellschaft vereinbar, auch im Teilbereich des Sports. Sie spielen die Betroffenen gegeneinander aus und nehmen Unbeteiligte in Sippenhaft.

Wir fordern alle Vereine und insbesondere den FC Bayern dazu auf, sich für seine Fans und Mitglieder einzusetzen und das unverhältnismäßige Rechtsverständnis der UEFA kritisch zu hinterfragen.

Wir werden Kollektivstrafen niemals akzeptieren, denn „wir sind immer hier!“

bookmark_borderEin Damoklesschwert schwebt über unserem Fußball!

Letztes Wochenende noch mit wehenden Fahnen und Gesängen in der Leipziger Innenstadt, heute ohne Material und ohne Support in den Kurven. Wir werden die ersten 12 Spielminuten schweigend verbringen!

Größer kann der Kontrast zwischen gelebter Fankultur und schweigenden Zuschauerrängen nicht sein. Noch ist es ein dystopisches Szenario, setzt die Innenministerkonferenz ihre Pläne am 3. bis 5.12. in Bremen um, wäre eben dieses Szenario vielleicht schon am ersten Dezemberwochenende die neue Wirklichkeit.

Wir fordern die Vereine auf, sich diesen Plänen mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Möglichkeiten zur Wehr zu setzen! Die Äußerungen der IMK und die geplanten Änderungen zerstören nicht nur freie Fankultur, sondern greifen auch massiv und unbegründet in die Vereinsstrukturen ein. Die jahrelange gute Arbeit der Vereine und ihrer Partner wird ohne tatsächlichen Anlass mit Füßen getreten, das Erlebnis Stadionbesuch durch Unwahrheiten und egoistische Politiker massiv in seinem Ruf geschädigt.

Vereine: Es geht nur gemeinsam! Wir Fans haben letztes Wochenende über Rivalitäten, Farben und Ansichten hinweg eine starke Einheit gebildet und unsere Haltung zum Ausdruck gebracht. Nun seid ihr an der Reihe!

Die Fanszenen Deutschlands

bookmark_borderEin Damoklesschwert schwebt über unserem Fußball!

Pünktlich zur im Dezember anstehenden Innenministerkonferenz (IMK) in Bremen melden wir uns mit einer Stellungnahme. Wie ihr euch denken könnt: kein gutes Zeichen. Doch was steht zur Debatte? Auf der vorletzten IMK im vergangenen Winter wurden bereits Maßnahmen angedacht, die angeblich die Sicherheit im Stadion erhöhen sollen. Was bislang allerdings einem zahnlosen Papiertiger glich, könnte alsbald bittere Realität werden: Personalisierte Tickets, KI-gestützte Sicherheitsmaßnahmen rund um Spieltage und massenhaft neue Stadionverbote ohne Unschuldsvermutung könnten die Folge sein!

Anfang Dezember soll die Schaffung einer bundesweiten Stadionverbotskommission beschlossen werden. Zusätzlich zu den standortgebundenen SV-Kommissionen soll diese Institution die Vergabe des ohnehin rechtsstaatlich höchst fragwürdigen Sanktionsmittels „Stadionverbot“ überwachen. Rücknahmen und vorzeitige Aufhebungen der Stadionverbote durch die SV-Kommissionen der einzelnen Standorte könnten zukünftig von oben herab untersagt werden. Hierbei wird die Expertise der Vereine, die mit den Vorgängen rund um ihre (Heim-)spiele vertraut sind und lokale Situationen definitiv besser einordnen können als eine zentrale Stelle, bewusst umgangen. Zudem sollen Vereine, die sich nicht an die Vorgaben der zentralen Stadionverbotskommission halten, zukünftig durch die Sportgerichtsbarkeit sanktioniert werden.

Unklar bleibt zunächst, ob auch eine direkte SV-Vergabe im Repertoire des neuen Monsters von Verbänden und Politik liegen soll. Ebenso wenig ist über die mögliche personelle Zusammensetzung bekannt. Man stelle sich vor, die Schreihälse aus Innenministerien und Repressionsorganen wie der Polizei wären Teil dieses Gremiums – es würde wohl nicht lange dauern, bis Stadionverbote nach dem Gießkannenprinzip verteilt würden – massenhafte Überwachung und Personalienfeststellungen durch Festsetzung ganzer Personengruppen inklusive. Gleiches gilt für die angedachte Praxis, bis spätestens sechs Wochen nach der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens (wohlgemerkt: keiner Verurteilung!) ein Stadionverbot zu prüfen. Wie oft derartige „Prüfungen“ dann in einem SV münden, könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Besonders eklatant ist hierbei, dass aus einer Soll-Formulierung nun eine Muss-Vorschrift werden soll. Jedes eingeleitete Strafverfahren, was sich bekanntermaßen in sehr vielen Fällen aufgrund Unsinnigkeit nach einer Weile im Sande verläuft, wäre gleichbedeutend mit einem sofortigen Stadionverbot für den Betroffenen!

Neben der neuen Praxis für Stadionverbote fordern Hardliner aus der Politik und der Polizei weitere Einschnitte in den Stadionalltag. Ein Szenario besteht aus flächendeckenden personalisierten Tickets sowie Gesichtsscannern. Dabei stellen wir nicht nur die Umsetzbarkeit und Sinnhaftigkeit infrage, sondern erkennen auch einen klaren Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht aller Stadionbesucher. Wenn alle Fans am Einlass auch noch das letzte Stück Freiheit für den Besuch unseres Volkssports abgeben müssen, steht das im krassen Widerspruch zu unseren Vorstellungen und entbehrt jeglicher Verhältnismäßigkeit.

Natürlich findet auch das omnipräsente Thema Pyrotechnik seinen Platz in den Fantasien der Politiker und Behörden. Während die Fanszenen im ganzen Land im Rahmen der „Verbandsstrafen abschaffen“-Kampagne seit geraumer Zeit konstruktive Vorschläge liefern und ohne populistisch vorzupreschen sinnvolle Dialoge mit Vereinen und Verbänden zu Pyrotechnik initiieren, verschließen Politik und Polizei die Augen vor der Realität der reifen und in den Stadien vollumfänglich positiv bewerteten Nutzung von Pyrotechnik der Fanszenen. Mit einer Null-Toleranz-Linie sowie Gleichsetzung von Pyrotechnik mit Gewalt und Bedrohung zeigt die Gegenseite eindrucksvoll, dass jegliches Verständnis für Fankultur fehlt.

Die deutschen Stadien sind sichere Orte – das belegen sämtliche Statistiken der Behörden selbst wie etwa der im Oktober 2025 veröffentlichte Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS). Wofür also eine neue Stadionverbotskommission benötigt wird, die die Kompetenzen der örtlichen Sicherheitsträger definitiv einschränken soll, bleibt höchst fragwürdig. Statt sich weiterhin repressiven Maßnahmen zu verschreiben, braucht es Konzepte, die das Sicherheitsrisiko für uns Stadiongänger tatsächlich verringern.

Wir fordern daher:

  1. Minimierung der Polizeieinsätze – Die größte Gefahr in den deutschen Stadien bleiben unberechenbare Einheiten der Bereitschaftspolizei. Statt sich über Kostenumlagen auf die Vereine Gedanken zu machen, sollten die Innenministerien die vollkommen maßlosen Einsatzzeiten ihrer Bediensteten reduzieren.
  2. Aussetzung des Präventivinstruments „Stadionverbot“ – Eine zentrale Stadionverbotskommission sowie die zwanghafte Vergabe eines Stadionverbots nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens darf es unter keinen Umständen geben!Generell stellen wir uns klar gegen das Präventivinstrument Stadionverbot. Anstatt junge Menschen aus den Stadien auszusperren, sollten sich Verbände und Politik für rechtsstaatlich verbindliche und pädagogisch wertvolle Maßnahmen bei tatsächlich vorliegenden Straftaten im Fußballkontext einsetzen.
  3. Überwachungskosten reduzieren – Statt den Vereinen immer teurere Überwachungssysteme unter dem Deckmantel der Stadionsicherheit aufzuzwingen, sollten die Gelder in die Nachwuchsarbeit, die Infrastruktur der Stadien und die Arbeit von Fanprojekten investiert werden.
  4. Anerkennung des Mehrwerts der deutschen Kurven – Anstatt mit der Forderung der Personalisierung aller Eintrittskarten jeden Stadiongänger unter Generalverdacht zu stellen, sollte auch die Politik die Fankultur hierzulande als Alleinstellungsmerkmal des Fußballs anerkennen! Auch die Nutzung von Pyrotechnik sollte endlich ihre berechtigte Akzeptanz finden!

Uns ist bewusst, dass auch wir die Uhren nicht zurückdrehen werden. Häufig wurden hart erkämpfte Freiheiten nur kurze Zeit später zum Wohle des Populismus einiger weniger wieder eingeschränkt. Doch seid euch gewiss: Sollten sich die Gerüchte erhärten, werden wir uns zum Wohle aller Stadionbesucher für das Fußballstadion als Ort der Freiheit einsetzen und für die Werte unseres Fußballs einstehen!

Die Fanszenen Deutschlands im November 2025

bookmark_border„Rot gegen Rassismus“ oder „Deutsch, Stolz, Treue“?

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„Rassismus und Diskriminierung haben in unserer Gesellschaft und im Fußball keinen Platz“. Mit diesen Worten positionierte sich der FC Bayern München im Januar 2020 auf seiner Homepage im Rahmen des jährlichen Erinnerungsspieltags der Initiative „!Nie wieder“. Begleitet wurde der Erinnerungstag wie jedes Jahr von einer Choreografie der Südkurve.

Im Umlauf eben jener Südkurve ereignete sich nun ein Vorfall, der die Frage aufwirft, wie ernst es den Verantwortlichen des FC Bayern mit ihrer Positionierung gegen Rassismus ist. Vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund im April 2025 hielt sich dort eine Person auf, die ihre rassistische Gesinnung durch Fankleidung der Band „Deutsch, Stolz, Treue“ freimütig zur Schau stellte. Ohne dass sich Ordnungsdienst oder Polizei daran störten, konnte die Person Merchandise einer Band tragen, die den Holocaust leugnet und den Nationalsozialismus verherrlicht.

Die aktive Fanszene des FC Bayern steht bekanntermaßen seit vielen Jahren mit gesundem Menschenverstand gegen Rassismus ein. Demzufolge wurde die Person aus dem Umlauf der Südkurve verwiesen und dem Ordnungsdienst übergeben. Eine Handlung im Sinne des FC Bayern, sollte man meinen. Schließlich hatte sich der damalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach dem brutalen Mord an George Floyd durch einen weißen Polizisten mit den Worten zitieren lassen: „Rassismus ist völlig inakzeptabel. Dem müssen wir offensiv entgegentreten.“

Offensiv entgegengetreten ist der FC Bayern nun nicht dem rassistischen „Deutsch, Stolz, Treue“-Fan, sondern einem FC Bayern-Fan, dem für sein couragiertes Verhalten ein bundesweites Stadionverbot auf Grundlage eines eingeleiteten polizeilichen Ermittlungsverfahrens ausgestellt wurde. Gemeinsam mit der Polizei stellt sich der FC Bayern hier auf die Seite eines Rassisten und gegen Zivilcourage.

Dabei trägt der FC Bayern den Slogan „Rot gegen Rassismus“ als integralen Bestandteil seiner Öffentlichkeitsarbeit seit mehr als fünf Jahren vor sich her. Doch wie konsequent ist der Kampf gegen Rassismus, wenn ein Fan für sein antirassistisches Handeln in der Club-eigenen Arena mit einen Stadionverbot belohnt wird? Ein aufrichtiger Einsatz gegen Rassismus ist kein PR-Instrument, sondern spiegelt sich im tagtäglichen Handeln wider.

Soll „Rot gegen Rassismus“ nicht gänzlich zur opportunistischen Schaufensteraktion verkommen, nehmen die Vereinsverantwortlichen das Stadionverbot – wenn auch reichlich verspätet – umgehend zurück!

Munich’s Red Pride

bookmark_borderUnser Protest war erfolgreich! Donezk muss die Ticketpreise anpassen! Boykott aufgehoben!

Shakhtar Donezk hat die Ticketpreise im Gästesektor für unser Auswärtsspiel auf das gemäß Ticket-Regularien erlaubte Preisniveau angepasst.

Die Ticketpreise liegen nun bei:
Stehplatz – 26€ (anstatt ursprünglich 52€)
Sitzplatz – 45€ (anstatt ursprünglich 105€)

Da damit das angestrebte Ziel erreicht ist, die Ticketpreise für alle Bayern Fans im Gästesektor zu reduzieren, wird die Südkurve mit allen aktiven Gruppen das Spiel gegen Donezk besuchen.

Ein Erfolg, der zum einem auf die hohe Anzahl stornierter Tickets, zum anderen auf das Beharren auf die geltenden Ticket-Regularien zurückzuführen ist. Der Dank gilt daher allen Bayernfans, die sich beteiligt haben! Wir Fans können etwas erreichen, wenn wir zusammenhalten und für unsere Rechte einstehen!

Diese Wendung ist aber nicht nur ein Erfolg für die Bayernfans, die zu unserem Spiel in Gelsenkirchen fahren, sondern für alle Fußballfans in Europa. Die von der UEFA eingeführten Regularien zur Preisgestaltung für Gästefans in europäischen Wettbewerben müssen transparent kommuniziert und konsequent umgesetzt werden. Die zuständigen Stellen bei der UEFA müssen sich hinterfragen, wie es überhaupt dazukommen konnte, dass sich nach wochenlangem Hin und Her erst durch einen so drastischen Schritt der Fans etwas getan hat.

Die Verantwortlichen in den Vereinen müssen ihre Preispolitik hinterfragen. Die von der UEFA eingeführte Preisobergrenze für die günstigste Kategorie von aktuell 60€ und perspektivisch 50€ ist ein guter erster Schritt, kann aber nicht das Ende der Fahnenstange sein. Ein Fußballspiel ist keine Opernaufführung! Die Ticketpreise müssen sozialverträglich gestaltet werden, damit alle Fans in die Stadien gehen können.

Twenty is plenty!

bookmark_borderThe paper your regulations are written on is not worth a penny, again!

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Zu Beginn der aktuellen Saison hat die UEFA die Senkung des „Price Cap“ verkündet. Die Tickets für Gästefans sollen in der Champions League Saison 2024/25 maximal 59+1 € kosten dürfen. Eine weitere Preissenkung ist für die darauffolgende Spielzeit mit maximal 50€ festgelegt. Eine Entscheidung, die bei zutreffender Umsetzung in die richtige Richtung geht und von uns Fans auf Zustimmung trifft. Jedoch erschreckte uns Bayern-Fans zum Start ins verlängerte Wochenende die Info über die Preisstruktur beim Auswärtsspiel gegen Shakhtar Donetsk. Die FC Bayern München AG informierte zu Halloween über gespenstige Preise für Stehplatztickets von 52 € und Sitzplatztickets von 105 €.

Schnell stellt sich die Frage, wie kann ein Ticket 105 € kosten, wenn es eine klare Obergrenze weit darunter gibt? Dazu werfen wir zunächst einen Blick auf die Regularien der UEFA.

In Artikel 45 „Eintrittskarten der Gastmannschaft“ des Reglement der UEFA Champions League ist eindeutig festgelegt: „(…) Der Preis für Eintrittskarten im Rahmen dieses Kontingents von 5 % darf nicht höher sein als der Preis für Eintrittskarten für erwachsene Anhänger in einem vergleichbaren Sektor des Stadions (einschließlich an Saisonkarteninhaber und Vereinsmitglieder verkaufter Eintrittskarten und/oder jeglicher Eintrittskarten, die im Rahmen von Werbeaktionen ausschließlich für UEFA-Wettbewerbsspiele verkauft werden). Der Preis dieser Eintrittskarten für Anhänger der Gastmannschaft darf in keinem Fall mehr als EUR 59+1 betragen.“

Shakhtar Donetsk verstößt gleich in zwei Punkten gegen diesen Artikel. Zum einen werden die Gäste-Stehplatztickets der Kategorie 5 in den Blöcken V und W zum Preis von 52 € verkauft. In den vergleichbaren Heimblöcken I und K wurden seit August Ticketpakete für alle vier Vorrundenspiele zum Preis von 95 € angeboten – eine Partie gibt es somit für nur knapp 24 € zu sehen. Damit kosten die Gästetickets für uns Bayern-Fans mehr als das Doppelte wie vergleichbare Heimtickets. Zur Info am Rande: die Gäste aus Bern zahlen beim Gastgeber Donetsk nur 20 CHF (~ 21 €). Zum anderen wird die Preisobergrenze von 59+1 € mehr als deutlich mit dem Gäste-Sitzplatzticket von 105 € gesprengt! Das Price Cap gilt unabhängig von Steh- oder Sitzplatzticket.

Weiterhin stellt sich also die Frage, wie es sein kann, dass gegen die klaren und eindeutigen Regularien der UEFA dermaßen verstoßen wird?

In Artikel 45.05 ist ferner reguliert: „Mit Ausnahme von Eintrittskarten, die der Preisobergrenze für Eintrittskarten für Anhänger der Gastmannschaft unterliegen, können alle Kartenkontingente der Gastmannschaft und die Eintrittskartenvereinbarungen zwischen den beiden betroffenen Vereinen mittels schriftlicher Vereinbarung geändert werden. (…)“

Hat die FC Bayern München AG also bewusst eine Vereinbarung mit Shakhtar Donetsk getroffen und sich gemeinsam auf den Preis des Gäste-Sitzplatztickets von 105 € geeignet? Oder interessiert es die FC Bayern München AG einfach nicht, welchen Preis wir Bayern-Fans zahlen müssen?

Ein Verstoß gegen Artikel 45 liegt aber selbst dann vor, wenn sich die FC Bayern München AG und Shakhtar Donetsk gemeinsam auf den Sitzplatzpreis von 105€ geeignet haben: Bei einer Gesamtkapazität von 62 271 Zuschauern und einem Gästekontigent von 5 % (3113 Gästen), abzüglich 1800 Gäste-Stehplatztickets, bleiben nämlich 1313 Tickets im Sitzplatzbereich, die unter das Price Cap von 59+1 € fallen. Erst weitere Tickets können laut UEFA Regularien nach Absprache beider Vereine frei von der Preisobergrenze angesetzt werden. Allerdings kann die FC Bayern München AG damit nicht im Sinne von uns Bayern-Fans gehandelt haben. Ein vergleichbares Sitzplatzticket im Heimbereich der Kategorie 4 bis Kategorie 3 kostet nämlich 33 € bis maximal 40 €. Diese Entscheidung kritisieren wir deutlich.

Damit bleibt weiterhin, neben dem moralisch verwerflichen und fanfeindlichen Verhalten der FC Bayern München AG und Shakhtar Donetsk, der klare Verstoß gegen die UEFA Regularien aufgrund der zu teuren Gästetickets gegenüber vergleichbarer Heimtickets sowie der Verletzung des Price Caps.

Bereits im Jahr 2017 mussten wir uns mit dieser Thematik beschäftigen (nachzulesen auf https://footballislife.blog). Der RSC Anderlecht bat uns Bayern-Fans für ein Vorrundenspiel mit 100 € zur Kasse. Ein Ticketpreis von 100 € als günstigstes Gästeticket ist an sich schon schlimm genug, musste man auch hier feststellen, dass der RSCA ein Ticketpaket angeboten hat, womit ein Spiel im Schnitt für 70 € zu sehen war. Nach Protesten vor Ort und weiterer Kritik wurde eine Rückerstattung der Differenz, also von 30 € an die anwesenden Bayern-Fans fällig.

Heuer beim Gastspiel gegen Shakhtar Donetsk liegt erneut ein klarer Verstoß gegen die UEFA Regularien vor. Die UEFA ist gefordert, dass wir Bayern-Fans für ein Gästeticket nur den Betrag wie im vergleichbaren Heimbereich zahlen. Oder sind die Regularien das Papier nicht wert, auf welchem sie geschrieben stehen?

Munich’s Red Pride

Dokumentation: Ticketpreisgestaltung Shakhtar Donzek vs. FC Bayern